Der DAT-Report gilt seit 1974 als Trendbarometer, wenn es um das Automobil und das Verhalten der Fahrzeughalter(innen) geht. Bild: Georg Blenk, Krafthand-Medien

Der DAT-Report gilt seit 1974 als Trendbarometer, wenn es um das Automobil und das Verhalten der Fahrzeughalter(innen) geht. Bild: Georg Blenk, Krafthand-Medien

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DAT-Report 2022: Spannende Einblicke!

Die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) hat Anfang Februar ihren aktuellen DAT-Report 2022 veröffentlicht. Er umfasst 84 Seiten, 115 Grafiken und entsprechende Kommentierungen. In der 47. Ausgabe der Studie werden wie gewohnt die automobilen Befindlichkeiten der Pkw-Halter(innen) in Deutschland untersucht. Dabei befragte die DAT repräsentativ über 4.500 Fahrzeugbesitzer(innen). Zwei Erkenntnisse vorab: Die Bedeutung des Automobils ist in Deutschland weiterhin sehr hoch, die Elektromobilität ist gefühlt allgegenwärtig, sie spielt im Alltag und im Werkstattbereich jedoch noch eine untergeordnete Rolle.

Das Auto hat nach wie vor einen hohen Stellenwert

Für die große Mehrheit der Menschen in Deutschland ist und bleibt das eigene Automobil im Alltag unverzichtbar, 79 Prozent trafen diese Aussage. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Beziehung der Pkw-Halter(innen) zu ihrem Fahrzeug, zum Beispiel was die Fahrzeugpflege, den Service und die Reparatur angeht. Lediglich im ersten Corona-Jahr 2020 lag dieser Wert laut DAT mit 75 Prozent etwas niedriger.

Für 79 Prozent der Bundesbürger(innen) ist der eigene Pkw unverzichtbar. Grafik: DAT
Laufleistung

Durch die anhaltende Corona-Situation, vor allem aufgrund von Kontaktbeschränkungen, Kurzarbeit und Homeoffice ist die Jahresfahrleistung der Fahrzeuge erneut leicht zurückgegangen. So legte jede Autofahrerin und jeder Autofahrer 2021 im Durchschnitt 13.180 Kilometer zurück. Das ist ein Rückgang von 4,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch deutlicher ist der Rückgang bei Fahrer(innen) von Diesel-Pkw. Im Jahr 2021 bewegten sie ihr Fahrzeug um 5,6 Prozent weniger und damit im Durchschnitt 16.430 Kilometer.

Pflege und Reparatur

Nach wie vor wird jedoch der Pflege und dem Werterhalt des Fahrzeugs sehr hohe Bedeutung zugemessen. So lassen 55 Prozent kleinere Roststellen und Kratzer sofort beseitigen, 77 Prozent haben anstehende Wartungs- und Reparaturarbeiten nicht aufgeschoben, und 39 Prozent haben ihr Auto so liebgewonnen, dass sie über Reparaturen nachdenken, selbst wenn sie unwirtschaftlich sind.

39 Prozent der Fahrzeughalter(innen) lassen ihr Fahrzeug auch dann reparieren, wenn es wirtschaftlich eigentlich keinen Sinn mehr macht.

Was die Reparaturarbeiten angeht, so entfielen 72 Prozent auf Verschleißteile, 35 Prozent bezogen sich auf den Motor und die Elektrik und 26 Prozent auf das Fahrwerk und die Karosserie. Dabei waren Mehrfachnennungen möglich.

Ein tatsächlich bemerkenswerter Trend hat sich bei der Werkstattverteilung entwickelt. So lassen stolze 56 Prozent (+ 2 Prozent zum Vorjahr) der Fahrzeughalter(innen) ihren Wagen mittlerweile in einer freien Werkstatt reparieren, 32 Prozent suchen eine Markenwerkstatt auf und nur mehr 12 Prozent (- 3 Prozent zum Vorjahr) versuchen sich selbst an der Reparatur (DYI).

Unfallreparaturen

Was die durchgeführten Unfallreparaturen betrifft, so lag sich die Schadenssumme laut DAT im Jahr 2021 bei 44 Prozent der Pkw-Halter(innen) unter 1.000 Euro, bei 16 Prozent lag der Wert zwischen 1.000 und 2.000, bei 12 Prozent zwischen 2.000 und 3.000, 11 Prozent hatten über 3.000 Euro auf der Rechnung stehen. Im Durchschnitt beliefen sich die Reparaturkosten auf 1.422 Euro. Dabei konnten 63 Prozent der Befragten Ihre Werkstatt frei auswählen, 29 Prozent konnten dies aufgrund ihres Versicherungsvertrages nicht, acht Prozent gaben keine Auskunft.

Räderwechsel

Interessant ist auch die Entwicklung was den Räderwechsel angeht. So haben stolze 22 Prozent keinen Wechsel durchgeführt, weil sie über Ganzjahresreifen verfügten. 52 Prozent hatten die Werkstatt Ihres Vertrauens aufgesucht, 26 Prozent führten den Räderwechsel selbst durch. Ebenfalls interessant: 55 Prozent der Pkw-Halter(innen), die Ihre Räder in der Werkstatt wechseln lassen, lagern sie auch dort ein.

Was die Reifen von E-Autos angeht, so dürfte sich das Geschäft in den nächsten Jahren positiv entwickeln: Der Gründe sind nicht nur die steigenden Verkaufszahlen, sondern auch der höhere Verschleiß aufgrund des höheren Drehmoments und des Fahrzeuggewichts. Aber Achtung! Den Radwechsel dürfen nur Personen vornahmen, die elektrotechnisch unterwiesen sind. Vielen Ihrer Werkstattkunden dürfte das nicht bewusst sein.

Wartungsarbeiten

Markengebundene und freie Werkstätten bleiben unverzichtbar und spielen eine elementare Rolle. Rund um die eigne Mobilität garantieren sie mit ihren Wartungs- und Reparaturarbeiten, Räderwechseln, Karosseriearbeiten und Beratung allen Pkw-Haltern die zuverlässige und sichere Nutzung ihrer Fahrzeuge. Mit 0,98 Arbeiten und im Schnitt 316 Euro Investition pro Pkw waren zum Beispiel die Wartungsarbeiten am Pkw im Jahr 2021 auf ähnlich hohem Niveau wie im Vorjahr.

Wartungsarbeiten und Aufwendungen bleiben auf ähnlich hohem Niveau wie 2020.
E-Mobilität

Elektromobilität scheint gefühlt allgegenwärtig. In der Realität spielt sie aber weiterhin eine untergeordnete Rolle. Pkw mit reinem Batterieantrieb oder Hybridfahrzeuge werden wahrgenommen, das Thema fließt auch in die Kaufentscheidung mit ein. Bei den Pkw-Halter(innen) und ihren rund 48 Millionen Automobilen sowie im Werkstattgeschäft haben die E-Antriebe laut DAT aber noch eine überschaubare Relevanz.

59 Prozent der Neuwagenkäufer haben 2021 im Rahmen ihres Kaufentscheidungsprozesses die Anschaffung eines Pkw mit alternativem Antrieb erwogen. Tatsächlich eine solche Antriebsart gekauft, hat ein deutlich geringerer Anteil (43 Prozent aller Neuzulassungen zählten zu allen alternativen Antriebsarten).

46 Prozent können sich den Umstieg auf ein E-Auto vorstellen.

Gemessen am Gesamtbestand von Pkw auf deutschen Straßen, haben sich bislang nur 1 Prozent aller Pkw-Halter für einen solchen Antrieb entschieden.

Knapp die Hälfte aller Pkw-Halter(innen) (46 Prozent) gaben laut DAT an, sie könnten sich vorstellen, auf ein rein elektrisches Fahrzeug umzusteigen. Der Rest kann es sich entweder gar nicht vorstellen (31 Prozent) oder ist noch unsicher (22 Prozent). Was den Zeitpunkt fürs Umsteigen betrifft, so lag dieser aber für die meisten Befragten (79 Prozent) noch in ferner Zukunft (in drei Jahren oder später).

 

Die Sicht auf batterieelektrische Fahrzeuge ist eher als nüchtern zu bezeichnen. Die Einschätzung der Pkw-Halter(innen) zu batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) spiegelt deutlich deren Akzeptanz in der Gesellschaft wider. Die große Mehrheit der Befragten (67 Prozent) gab an, zunächst noch abwarten zu wollen, bis ein weiterer Technologiesprung erfolgt ist. Besonders interessant:  Knapp die Hälfte (46 Prozent) bestätigte, BEV seien zwar bei der Nutzung umweltfreundlich, aber nur 12 Prozent sahen sie als umweltfreundlich bei ihrer Herstellung. Diese Einschätzung hat auch unmittelbar Einfluss auf das Werkstattgeschäft sowie die Investitionen in E-Fahrzeug-Arbeitsplätze und Schulungen der Mitarbeiter.

Am Ende lässt sich sagen: Die Elektromobilität setzt sich nur zaghaft durch, dies wird sich aber mittelfristig ändern! Grundsätzlich können Kfz-Betriebe jedoch überaus zuversichtlich in die Zukunft blicken – die Deutschen hegen und pflegen Ihr Fahrzeug, da wird sich erstmal nicht viel daran ändern! (Der vollständige DAT-Report kann unter https://report.dat.de bestellt werden.)

 

Georg Blenk, Krafthand-Medien

Beitrag: Georg Blenk, Krafthand-Medie

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