Die Unternehmensübergabe sollte von langer Hand geplant werden. Bild: Christoph Lindau, Krafthand Medien

Die Unternehmensübergabe sollte von langer Hand geplant werden. Bild: Christoph Lindau, Krafthand Medien

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Doppelt schwierig: Nachfolgeregelung in Kfz-Betrieben

Die Automobilbranche und damit auch der Kfz-Service befinden sich im Wandel. Vor diesem Hintergrund erscheint eine professionell geplante Regelung zur Unternehmensnachfolge umso wichtiger. Letztendlich geht es um die richtige Strategie, den richtigen Zeitpunkt und am Ende ums Loslassen.

Die Sicherung der Unternehmensnachfolge betrifft in den kommenden Jahren rund 50 Prozent aller Familienunternehmen. Millionen von Arbeitsplätzen sind damit verbunden. An den Rückzug aus dem eigenen Unternehmen zu denken fällt jedoch vielen Firmeninhabern schwer. Es kostet Überwindung, sich von seinem Lebenswerk zu lösen und seinen Platz einem anderen zu überlassen. Im besten Falle ist dies die eigene Tochter oder der eigene Sohn, die in die Fußstapfen des Vaters oder der Mutter treten und in unserem Fall den Kfz-Betrieb weiterführen. Tatsächlich liegt jedoch der Anteil an familieninternen Nachfolgeregelungen (über alle Branchen hinweg) laut einer aktuellen Studie der Deutscher Unternehmensbörse (DUB) lediglich bei 19 Prozent. Ganze 52 Prozent verkaufen Ihren Betrieb an Dritte, 38 Prozent suchen den Mittelweg und setzen einen Fremdbetreiber ein, bleiben aber, je nach Modell, Betriebsinhaber. Der letzte Nachfolgemonitor ‚Mittelstand‘ der KfW-Bank von Dezember 2019 zeichnet ein anderes Bild. Die Macher kamen zu dem Ergebnis, dass im Jahr 2019 44 Prozent der Befragten zumindest eine Präferenz für familieninterne Nachfolgelösungen hatten. Externe Nachfolgen lagen mit 50 Prozent jedoch anteilig etwas höher.

Planung ist alles

Eine Betriebsübergabe muss von langer Hand geplant werden. Der Seniorchef oder die Seniorchefin sollte sich im Klaren sein, wann er oder sie tatsächlich in den Ruhestand gehen möchte. Der Übergabeprozess benötigt auf jeden Fall Zeit, Untersuchungen der IHK zufolge bis zu drei Jahre. Dabei ist es unerheblich ob eine interne oder externe Lösung angestrebt wird. „Die wichtigsten Parameter einer gelungenen Übergabe sind die innere Klarheit, Verbindlichkeit und eine klare Kommunikation“, weiß Nils Koerber, Autor des Buches ‚Unternehmensnachfolge‘. Dabei sollte nicht nur der tatsächliche Übergabezeitpunkt definiert werden, vielmehr ist es wichtig sämtliche Vereinbarungen schriftlich zu fixieren, auch wenn es sich um eine innerfamiliäre Nachfolgeregelung handelt.

Interne, externe Lösung

Ist die Entscheidung für eine innerfamiliäre Lösung gefallen, verfügt der Junior/die Juniorin  neben der Schul- und eventuell der Hochschulausbildung, auch über die notwendige praktische Ausbildung, am besten durchlaufen in einem externen Betrieb, kann man ihn in sämtliche Bereiche des eigenen Unternehmens einführen. Dem ZDK zufolge, ist es besser, wenn der potenzielle Nachfolger erstmal die Gegebenheiten und Abläufe eines anderen Unternehmens kennenlernt und so wertvolle Erfahrungen für den eigenen Betrieb sammeln kann. Dann stellt sich später auch weniger das Problem der mangelnden Akzeptanz im eigenen Unternehmen.

 

Kommt keine familieninterne Nachfolge in Frage, weil sich die Kinder beruflich anders orientieren, oder schlicht keine Kinder vorhanden sind, besteht die Möglichkeit, dass Belegschaftsmitglieder oder auch externe das Unternehmen erwerben. Denkbar sind laut ZDK aber auch Mischformen. Grundsätzlich sollte immer das Ziel sein, die Arbeitsplätze zu erhalten und das Unternehmen fortzuführen.

Suchen Sie sich Rat

Unabhängig von der tatsächlichen Nachfolgeregelung, ist es immer ratsam sich den Rat von Dritten einzuholen. Dies können erfahrene Branchenkollegen oder bei unterschiedlichen Meinungen zur Unternehmensführung, ein neutraler, externer Mediator sein. Auf jeden Fall sollte man die Hausbank ins Boot holen und etwaige Fördermöglichkeiten klären. Zusätzlich ist es ratsam, Erbschaftsangelegenheiten vor der Übergabe zu besprechen und die eigene Altersversorgung abzusichern – emotionsgeladene Themen, die jedoch erledigt werden sollten. Ein Jurist berät zusätzlich bei der Wahl der geeigneten Rechtsform und gegebenenfalls bei der Anteilsregelung.

Loslassen

Allzu oft möchte sich der Senior nicht in den wohlverdienten Ruhezustand zurückziehen. Es kommt in vielen Fällen zu Streitigkeiten, besonders wenn es um die strategische Ausrichtung des Kfz-Betriebs geht. Tatsächlich ist für eine ‚holprige‘ oder gar gescheiterte Unternehmensnachfolge in 80 Prozent der Fälle das ‚Nicht-Loslassen-Können‘ des Seniors verantwortlich, wie ebenfalls die Studie der DUB zeigt. „Der Schlüssel für eine erfolgreiche Nachfolge ist die Bereitschaft des Übergebenden, sich von seinem Lebenswerk zu trennen und geordnet zu übergeben“, resümiert Buchautor Koerber. Nur dann steht der Zukunft des Kfz-Betriebs nichts mehr im Wege.

Beitrag: Georg Blenk, Krafthand Medien

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