Flüsterleise und schlank im Design

Was Bremsbeläge für Elektrofahrzeuge von herkömmlichen ‚Klötzen‘ unterscheidet und wie lange die Lebensdauer ist.

E-Autos verzögern in vielen Fahrsituationen elektrisch, die Betriebsbremsen werden deutlich weniger genutzt. Es sorgt also eher eine geringe Belastung der Bremsen für Probleme. So können die Bremsscheiben korrodieren oder die Beläge verglasen. Dank einer weiteren Eigenart von elektrischen Fahrzeugen fallen solche Schäden den Besitzern schnell auf, wissen die Experten von TRW. Denn E-Autos sind sehr leise, sodass schleifende Bremsen den Fahrkomfort deutlich stärker einschränken als bei Benzinern oder Dieseln, bei denen der Motor die Geräusche übertönt. TRW liefert deshalb beispielsweise eine spezielle Bremsscheibe für den Tesla Model S.

Andere Bremsbeläge?

Grundsätzlich gibt es den Experten von ZF/TRW zufolge bauartbedingt keine Unterschiede zwischen Bremsbelägen für Verbrenner und E-Autos. Das Bremsenlayout ähnelt sich. In Einzelfällen reduziert man jedoch die Reibmaterialstärke, der Belag wird quasi ‚schlanker‘.  Was zudem auffällt: Die Lastenhefte werden von Seiten der Fahrzeughersteller immer weiter in Richtung ‚Geräusch, Vibration, Rauhigkeit‘ (NVH = Noise, Vibration, Harshness) angepasst. Das heißt, die OEM setzen immer mehr auf leise und vibrationsarme Beläge.

Haltbarkeit und Laufleistung

Was die Haltbarkeit und die Laufleistung angeht, so sprechen Experten regelfällig von einem Fünftel weniger Bremseingriffen aufgrund der Rekuperier-Vorgänge, im Vergleich zum Verbrenner. Dadurch ergibt sich theoretisch auch eine entsprechend höhere Laufleistung, was jedoch die Themen Korrosionsbeständigkeit und Alterung mehr in den Fokus rückt. Die Hersteller versuchen durch eine entsprechende Materialzusammensetzung dem entgegen zu wirken. Auf keinen Fall sollte aber die Bremsleistung nachlassen!

Der Unterschied in der Materialzusammensetzung des Reibmaterials bezieht sich auf den Entfall der Kupferanteile. Die Beläge haben dadurch eine höhere Kompressibilität sowie tendenziell höhere Reibwerte. Sie müssen aufgrund der niedrigeren Nutzungsfrequenz auch im kalten Zustand optimal funktionieren, was damit gewährleistet ist.

TRW ‚Electric-Blue‘: Das NVH-Verhalten der Beläge entscheidet über die Bremswirkung – speziell im kalten Zustand.
TRW ‚Electric-Blue‘: Das NVH-Verhalten der Beläge entscheidet über die Bremswirkung – speziell im kalten Zustand. Bild: Torsten Schmidt, Krafthand Medien
Trockenbremsfunktion, Verschleißanzeige

Im Übrigen verzichten einige Hersteller von Elektrofahrzeugen auch auf die sogenannte Trockenbremsfunktion. Durch leichtes Anlegen bei Regenwetter soll damit der Bremsweg in Gefahrensituationen verkürzt werden. Bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor bereits fast Standard. „Jeder Fahrzeughersteller folgt diesbezüglich jedoch seiner eigenen Strategie“, weiß Mathias Raufeisen, technischer Außendienst D-A-CH bei ZF Aftermarket. Was jedoch in vielen Fällen auch Teil der Bremsanlage bei E-Fahrzeugen ist, ist die Verschleißanzeige der Beläge, inklusive Sensor.

Was TRW angeht, so eignen sich für praktisch alle Elektroautos auf dem europäischen Markt die geräuscharmen Bremsbeläge ‚Electric Blue‘. Sie decken den Angaben zufolge 97 Prozent der in Europa zugelassenen Elektrofahrzeuge ab. Auch andere Hersteller bieten entsprechende Beläge für E-Fahrzeuge an.

Beitrag: Georg Blenk, Krafthand Medien

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