Oft werden ‚Schnelldreher‘ wie beispielsweise Luft- oder Ölfilter kopiert. Betroffen sind im Grunde alle namhaften Hersteller. Bild: Torsten Schmidt, Krafthand Medien

Oft werden ‚Schnelldreher‘ wie beispielsweise Luft- oder Ölfilter kopiert. Betroffen sind im Grunde alle namhaften Hersteller. Bild: Torsten Schmidt, Krafthand Medien

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Vorsicht Plagiate!

Jeder war sicherlich schon mal versucht, ein Plagiat zu erwerben. Vor allem in hochfrequentierten Urlaubsregionen werden für wenig Geld Marken-T-Shirts oder gefälschte Sportschuhe angeboten. Sitz man jedoch einer Fälschung auf und erwirbt ein qualitativ minderwertiges Produkt, geht zumindest davon kein lebensbedrohliches Sicherheitsrisiko aus. Bei Autoersatzteilen verhält es sich anders. Vor allem dann, wenn die Plagiate sicherheitsrelevante Komponenten des Fahrzeugs, wie Bremsbeläge, Bremsscheiben oder Lenkungsteile betreffen. Laut Europäischen Dachverbands der Automobil-Zuliefererindustrie CLEPA, erleidet die Automobilindustrie allein in Deutschland durch Produktpiraterie jährlich einen Schaden von bis zu 10 Milliarden Euro.

Piratenteile

Piratenteile (gefälschte Teile) sind Kfz-Teile, die gegen bestehende Schutzrechte produziert oder illegal mit einem Markenzeichen versehen wurden. Wenn also von Piratenteilen die Rede ist, handelt es sich um Teile, die oft in schlechter Qualität, ohne Wissen und Lizenz des eigentlichen Teileherstellers oder der Automobilindustrie, mit der kriminellen Absicht, schnellen Profit zu machen, hergestellt werden.

Nach Ansicht des Gesamtverbands Autoteilehandel e.V. (GVA) haben Piratenteile auf seriösen Vertriebsweg in Deutschland kaum eine Chance in den Markt zu kommen.  Die Problematik für die deutsche Teileindustrie beim Thema Produktpiraterie besteht jedoch auf ausländischen Märkten, die leicht über das Internet zugänglich sind.

Beliebt bei den Fälschern sind nach Erfahrungen der MAHLE Aftermarket GmbH, der ZF Group oder von UFI Filters, Kupplungsreparatur-Sets, Stoßdämpfer, Fahrwerks- und Lenkungsteile, Filter aller Art oder Ersatzteile aus dem Motoren- oder Getriebebereich wie Spann- und Umlenkrollen. Solche Piratenteile kommen hauptsächlich aus China, Taiwan, der Türkei und Brasilien. Aber auch Kroatien wird immer öfter genannt. Vor allem in China arbeiten organisierte Fälscher mit eigenen Herstellwerken, die sich auf die illegale Herstellung und den weltweiten Vertrieb spezialisiert haben. Gefälscht und in minderer Qualität auf den Markt gebracht wird nahezu jedes Teil, das schnellen Profit verspricht.

Mag die Herstellung der Teile in den Ursprungsländern noch zum Teil straffrei sein, macht sich nach deutschem Recht jeder Teilehändler oder Kfz-Betrieb, der solche Teile wissentlich oder fahrlässig ankauft und/oder in Umlauf bringt, strafbar. Zudem verletzt er seine kaufmännische Sorgfaltspflicht. Hinzu kommt, dass Piratenteile oft keine Kennzeichnung der verwendeten Werkstoffe aufweisen. Damit ist auch eine spätere umweltgerechte und legale Entsorgung problematisch.

In der Haftung

Servicebetriebe sollten daher schon aus Eigeninteresse große Sorgfalt bei der Wahl des Teilelieferanten und die dort angebotenen Ersatzteile legen. Denn wer als Werkstattprofi gefälschte Teile minderer Qualität in Kundenfahrzeuge einbaut, wird bei Folgeschäden am Kundenfahrzeug oder – noch schlimmer bei Unfällen – im vollen Umfang im Rahmen der Reparaturgewährleistung und Produkthaftung für den Schaden haftbar gemacht, ohne dabei Anspruch auf Versicherungsschutz zu haben. Zudem sind Schadenersatzforderungen der Teileindustrie möglich.

Fälschung "Made in Garmany" Bild: Georg Blenk, Krafthand Medien
Wissen schützt

Vor dem Erwerb von Piratenteilen können sich Werkstätten schützen. Hat die Werkstatt den Verdacht, dass es sich bei einem vermeintlichen Marken-Originalteil um ein Piratenteil handelt, sollte man den Hersteller unverzüglich informieren. Dieser wird sicherlich alles daransetzen, die Herkunft und Produktionsmerkmale der Fälschungen aufzudecken. Im Zuge dessen, kann der Teilehersteller verstärkt Aufklärung betreiben. Auch lassen sich so bei Produkt- und Verpackungsänderungen Unsicherheiten bei der Identifizierung verringern. Darüber hinaus kooperiert die Industrie mit Behörden wie Zoll und Polizei, um hier weiter zu sensibilisieren und gegenseitig Fachwissen auszutauschen. Firmen wie MAHLE oder UFI führen auch Testkäufe und Teileprüfungen durch. Entdeckt man Fälschungen, werden rechtliche Schritte eingeleitet.

Seit einigen Jahren kommen auch fälschungssichere Siegel oder spezielle Produktkennzeichnungen bei den Teileherstellern zum Einsatz. So führten Bosch, Continental/ATE, Mahle, MANN-FILTER oder TRW bereits vor geraumer Zeit ein Hologramm-Label ein, das mit Sicherheitselementen von Geldscheinen ausgestattet ist. Darüber hinaus wurde die Brancheninitiative "Manufacturers against Product Piracy" (MAPP) ins Leben gerufen. Auf ihr Betreiben werden die Verpackungen mit einem so genannten DataMatrix-Code (auch MAPP-Code genannt) versehen. Das Ersatzteil hat damit eine weltweit einzigartige Identifikationsnummer, anhand derer es eindeutig identifiziert werden kann. Der Code lässt sich auf einer speziellen Internetseite, der Homepage des Herstellers oder teilweise sogar mit einer Smartphone-App im Laden überprüfen. So erkennt man sofort, ob es sich um eine Originalverpackung oder eine Fälschung handelt.

Daneben gibt es auch einige allgemeine Hinweise zur Identifizierung von Piratenteilen. Eines ist der deutlich günstigere Preis im Vergleich zum regulären Lieferprogramm des offiziellen Teilehändlers. Ein Indiz für Fälschungen kann auch die Herkunft sein, beispielsweise ein Verkäufer mit Internetadresse im Ausland.

Speziell beim Kauf sicherheits- oder umweltrelevanter Teile wie Bremsen oder Abgasanlagen, ist auch immer auf die Prüfnummer des KBA oder das E-Prüfzeichen zu achten. Diese sollten nicht nur auf der Verpackung, sondern auch auf dem Teil selbst stehen. Gleiches gilt für das Herstellerzeichen. Bei Leichtmetallfelgen beispielsweise muss immer das TÜV-Gutachten oder eine ABE vorliegen. Doch Vorsicht, auch Gutachten können gefälscht sein! Im Zweifel sollten Werkstätten TÜV oder Hersteller bitten, die Echtheit des Gutachtens zu prüfen.

Letztlich haben Fälscher kein Interesse daran, schriftliche Spuren bei ihren Geschäften zu hinterlassen. Werden Werkstätten Ersatzteile zum Barkauf mit besonders günstigen Konditionen angeboten, ist absolute Vorsicht geboten. Wer jedoch auf die genannten Punkte achtet, wird kaum einem Fälscher auf den Leim gehen. Und im Übrigen: Bei der WM SE ist man beim Teileeinkauf ehedem immer auf der sicheren Seite!

Beitrag: Dr. Marcel Schoch

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